Heilung ausgeschlossen - Bei Glutenunverträglichkeit hilft nur Diät PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: muscle-sports.de Team   
Freitag, den 16. Februar 2007 um 11:21 Uhr

Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen hat fast jeder von Zeit zu Zeit, und kaum jemand geht deswegen zum Arzt. Doch hinter diesen unspezifischen Symptomen kann eine ernsthafte Krankheit stecken - die Autoimmunerkrankung Zöliakie.


Nach Aussage von Medizinern wissen viele Betroffene nicht, dass die Ursache für ihre immer wiederkehrenden Beschwerden eine Glutenunverträglichkeit ist. Oft ist der Weg zur eindeutigen Diagnose lang. Steht sie fest, bedeutet das lebenslange Diät. Mit ihr ist die Krankheit jedoch gut in den Griff zu bekommen.

Die Gefahr kommt aus dem Korn. Bei einer Unverträglichkeit des Organismus' gegenüber dem Eiweiß Gluten, das in Gerste, Hafer, Roggen, Dinkel und Weizen vorkommt, muss der Patient lebenslang auf glutenfreie Nahrungsmittel umsteigen. Im Kindesalter heißt die Krankheit Zöliakie, bei Erwachsenen wird meist von Sprue gesprochen. Die Ursachen für die Erkrankung sind unbekannt, meist steht eine erbliche Veranlagung dahinter.

 

Woher kommt die Glutenunverträglichkeit?

 

"Aufgrund einer Schwächung der Immunabwehr wird die Dünndarmschleimhaut durchlässig für Gluten", sagt Sofia Beisel, Ernährungsberaterin bei der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG). Das Gluten macht den Darm porös, Nährstoffe können nicht mehr vom Körper aufgenommen werden. Durch den Gewichtsverlust, Durchfall, Vitamin- und Mineralstoffmangel wird der Erkrankte ständig schwächer, bei Kindern verzögert sich das Wachstum. Nach Schätzungen der DZG ist in Deutschland einer von 1800 Menschen von Zöliakie betroffen.

Nach Aussage von Jörn Reckel, Facharzt für Allgemeinmedizin in Ahrensburg, haben viele Menschen die Veranlagung zu Zöliakie, sind aber ohne gravierende Beschwerden. "Bei Kleinkindern dagegen zeigt sich das klassische Vollbild der Zöliakie deutlich, sie gedeihen nicht mehr und man sieht ihnen deutlich an, wie schwach sie sind."

Bei Erwachsenen ist es bis zur Diagnose oft ein langer Weg, sagt Prof. Joachim Mössner, Direktor der medizinischen Klinik am Uniklinikum Leipzig: "Die klassischen Sprue-Symptome sieht man bei Erwachsenen kaum. Daher haben viele diese Krankheit, ohne dass sie es wissen und ohne dass es zu einer eindeutigen Diagnose kommt."

 

Durchfall

 

Ernst wird es, wenn zum Beispiel regelmäßig Durchfall auftritt, der einher geht mit Schwäche, Gewichts- und Leistungsabfall. "Auch Knochenschwund bei Frauen deutlich vor den Wechseljahren, kann ein Anhaltspunkt für Sprue sein", sagt Prof. Mössner. "Das müssten zum Beispiel auch Orthopäden im Kopf haben und die Patientin auf eine mögliche Sprue-Erkrankung untersuchen lassen."

Die Diagnose erfolgt durch eine Antikörpersuche im Blut, durch eine Darmspiegelung sowie eine Analyse des Darmgewebes. Nach Ansicht von Jörg Reckel sollten bei Sprue auch andere Unverträglichkeiten getestet werden, da die Krankheit oft Basis einer mikrobiologischen Störung des gesamten Organismus sei. "Man muss das "Leck" in der Schleimhautwand beseitigen und die Barrierefunktion des Darms durch eine antientzündliche Therapie wieder aufbauen. Denn wenn dort erstmal ein eher grobes Molekül, wie das Gluten hindurchgelangt, ist sie meist offen für andere Allergene."

Die Diagnose Zöliakie bedeutet für die Betroffenen, lebenslang auf glutenhaltige Nahrungsmittel zu verzichten - Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel und andere Getreidesorten sind tabu. Kein Brot mehr, keine Brötchen oder Kekse. "Das ist eine einschneidende Veränderung", sagt Sofia Beisel. Und ein Kostenfaktor.

 

Glutenfreie Lebensmittel

 

Zwar gibt es immer mehr glutenfreie Lebensmittel in Supermärkten zu kaufen, aber diese sind teurer als herkömmliche Produkte. Laut Margret Marlo, Diätassistentin aus Bocholt und Mitglied im Verein für Ernährung und Diätetik, gibt es mittlerweile viele glutenfreie Varianten von Brot und Backwaren in Apotheken, Reformhäusern und bei Direktanbietern zu kaufen. "Rund 60 bis 100 Euro pro Monat mehr muss ein Zöliakie-Patient für glutenfreie Ernährung aufwenden."

Diätfehler und -nachlässigkeiten können nach Aussage von Margret Marlo schlimme Folgen haben, wie zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs im Dünndarm. "Betroffene dürfen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie die glutenfreie Ernährung nach der Verbesserung des Gesundheitszustandes wieder aufgeben können. Es gibt keine Heilung." Wenn die Diät strikt eingehalten wird, regeneriert sich die Darmschleimhaut allerdings meist schnell.

 

Einschränkungen

 

Trotz der Einschränkungen lässt sich die Krankheit in den Alltag integrieren. "Zöliakie-Kinder müssen kein Außenseiterdasein führen", sagt Beisel. Ab einem gewissen Alter könnten sie verstehen, dass sie bestimmte Lebensmittel nicht essen dürfen.

Margret Marlo rät, den psychischen Aspekt nach der Diagnose nicht zu unterschätzen: "Ein "Lebenslänglich" ist schon hart. Ärzte sollten dem Patienten seine Erkrankung genau erklären und ihn ermuntern, die Diät streng einzuhalten. Dann kann man auch mit Zöliakie ohne weitere gesundheitliche Einschränkungen und Risiken gut leben."

quelle: dpa



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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. Januar 2010 um 16:50 Uhr