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Definition: 1899 stellte der finnische Arzt Henschen perkutorisch bei Skilangläufern eine Herzvergrößerung fest, die er als Sportherz bezeichnete. Das Sportherz ist ein harmonisch vergrößertes Herz, da alle Herzhöhlen betroffen sind. Die vermehrte Volumenbelastung durch sportliche Betätigung führt zu einer Dilatation und Hypertrophie (exzentrische Hypertrophie). Die Herzvergrößerung bedeutet Leistungsreserve und damit erhöhte Leistungsfähigkeit. Aufgrund einer Vielzahl von Untersuchungen an Herzen von Hochleistungssportlern besteht heute weitgehend Konsens, dass ein vergrößertes Sportherz gesund ist und einen physiologischen Anpassungsvorgang bedeutet. Kurz: Das Sportherz ist das Ergebnis einer normalen, sinnvollen Anpassung an eine vermehrte körperliche Dauerbelastung, wie es nach langjährigem, regelmäßigen, intensiven Ausdauertraining der Fall ist.

Nicht jeder, der Sport treibt, bekommt ein Sportherz!



Beispielsweise müssten wöchentlich mindestens 60 - 70 km mit ausreichender Intensität gelaufen bzw. mindestens 5 Stunden Ausdauersport betrieben werden, um eventuell ein Sportherz zu entwickeln.


Das typische Sportherz findet man in den klassischen Ausdauersportarten wie Langstreckenlauf, Radrennfahren, Skilanglauf, Rennrudern, Triathlon, deren Charakteristikum ein zyklisches Bewegungsmuster der Ausdauerbelastung ist. Sportarten mit einer azyklischen Bewegungsform, wie z.B. die Ballspielsportarten, führen in der Regel zu keinem typischen Sportherz, da sie keine reinen Ausdauersportarten sind. Kraft- und Sprintsportarten bewirken keine Ausbildung eines Sportherzens.


Das Resultat ist ein optimal durchbluteter, überdurchschnittlich leistungsfähiger Herzmuskel. Gerade hierin unterscheidet sich das gesunde Sportherz von einem kranken Herz mit verdickter Muskulatur, wie es z.B. bei Patienten mit unzureichend behandeltem Bluthochdruck der Fall ist: Das sog. "Hochdruckherz" (Cor hypertonicum) besitzt kein optimiertes Herzkranzgefäßsystem wie das Sportherz und leidet daher ständig unter einer relativen Mangeldurchblutung, die sich vor allem bei körperlicher Belastung negativ auswirkt.

Die positive Auswirkung eines regelmäßigen Ausdauertrainings auf die Durchblutung des Herzmuskels und der peripheren Muskulatur hat eine herausragende präventivmedizinische (Herzinfarktvorsorge) und therapeutische (Herzinsuffizienz) Bedeutung. Durch die Erweiterung der Herzkammern beim Sportherz wird das Herzvolumen größer. Hochleistungs-Ausdauersportler haben deshalb oft das doppelte Herzvolumen (bis 1600ml), als dies bei untrainierten Menschen der Fall ist. Damit steigt natürlich die auch die Förderleistung des Herzens, denn mittels seiner hypertrophierten und damit stärkeren Muskulatur kann es nun ein größeres Schlagvolumen (SV) auswerfen.

· Das Schlagvolumen ist diejenige Blutmenge, die pro Herzschlag ausgeworfen wird.


In Ruhe fördert unser Herz gerade so viel Blut, wie für die entsprechende Durchblutung aller Organe und damit Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff benötigt wird. Diese Größe wird Herzminutenvolumen (HMV) genannt, das ist diejenige Blutmenge, die in einer Minute aus dem Herz in den Kreislauf gepumpt wird.


· Das Herzminutenvolumen ist das Produkt aus Schlagvolumen und Herzfrequenz:

HMV = SV x HF



Je größer das Schlagvolumen ist, desto niedriger kann die Herzfrequenz sein, um einen normalen Kreislauf aufrechtzuerhalten
.
Für das Sportherz bedeutet es, dass sein Schlagvolumen in Ruhe in Abhängigkeit von der Ruheherzfrequenz größer als das eines Untrainierten ist, weil es in der Regel langsamer schlägt. Dies erklärt sich durch das Zusammenspiel mit der trainingsbedingten Vagotonie, die vor allem durch extensives Grundlagen-Ausdauertraining, das heißt umfangreiche Ausdauerbelastungen mit relativ niedriger Intensität, erzielt wird und nur am Herz wirksam wird (kardiale Vagotonie).
"Vagotonie" bedeutet die Verschiebung des vegetativen Gleichgewichts vor allem in Ruhe zugunsten des Parasympathikus, dessen Hauptnerv der Vagus ist. Der Parasympathikus ist im unwillkürlichen (autonomen) vegetativen Nervensystem der Gegenspieler des Sympathikus, welcher in Belastungs- und Stresssituationen das Herz mittels Adrenalin "antreibt" ("Stressnerv"). Der Vagus hingegen ist sozusagen der "Erholungsnerv", der in Ruhe- und Erholungsphasen dominiert, weshalb z.B. der Mensch im Schlaf einen niedrigeren Blutdruck und niedrigere Herzfrequenz hat.
In Extremfällen sinkt die Ruheherzfrequenz, messbar als Ruhepuls unmittelbar nach dem morgendlichen Erwachen, bei Spitzenausdauerathleten bis unter 30 Schläge pro Minute. Es kann vorkommen, dass solche Sportler schlecht einschlafen, weil aufgrund der langsamen Herzfrequenz und des damit verbundenen großen Schlagvolumens das Herz "stärker" schlägt, was in Ruhe als unangenehm empfunden werden kann.


Um ein ausreichendes Herzminutenvolumen in Ruhe zu gewährleisten, genügen dem Sportherz also weniger Schläge pro Minute als dem untrainierten Herz, es arbeitet somit ökonomischer.
Da pro Herzschlag nur ein Teil des Herzblutvolumens ausgeworfen wird (Schlagvolumen), bleibt dem Sportherz aufgrund des vergrößerten Herzvolumens ein größeres Restvolumen, das mit zunehmender körperlicher Belastung ausgeschöpft wird (Schlagvolumenreserve).
Das heißt, dass zunächst das Schlagvolumen und erst später die Herzfrequenz ansteigt, um das erforderliche Herzminutenvolumen, das je nach Belastungsintensität und -dauer durch den Mehrbedarf in der Blut- (und damit Sauerstoff-)versorgung der Arbeitsmuskulatur zwangsläufig ansteigt, zu gewährleisten. Hingegen kann das untrainierte Herz sein Schlagvolumen aufgrund der geringeren Schlagvolumenreserve nur wenig steigern. Dadurch muss es schon bei relativ geringen körperlichen Belastungen schneller schlagen, um das Herzminutenvolumen zu erhöhen, und erreicht daher früher seine Leistungsgrenze.
(Analog dazu erhöht der Ausdauertrainierte mit zunehmender körperlicher Belastung zunächst die Tiefe seiner Atemzüge und später erst die Atemfrequenz, der Untrainierte beginnt jedoch sehr bald, schneller zu atmen.)
Aus dar Formel HMV = SV x HF ergibt sich, dass ein Sportherz bei körperlicher Auslastung ein viel größeres Herzminutenvolumen als ein untrainiertes Herz erreicht, wobei die maximale Förderleistung bei Weltklasseathleten bis zu 40 Liter Blut pro Minute betragen kann, zwei- bis dreimal mehr als bei Untrainierten. Das setzt bei einer maximalen Herzfrequenz von z.B. 190 pro Minute ein Schlagvolumen von mehr als 200 Milliliter voraus. Man stelle sich die Geschwindigkeit des Blutkreislaufs vor!
Je größer das Herzminutenvolumen ist, desto mehr Blut und damit auch Sauerstoff gelangt zur Arbeitsmuskulatur. Nach heutigem Kenntnisstand stellt das HMV die limitierende Größe für die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und damit die entscheidende Größe für die Ausdauerleistungsfähigkeit dar.



Ausnahmen bestätigen die Regel!
Es gibt Spitzen-Ausdauersportler, die kein typisches Sportherz entwickeln, und es gibt auch solche, die keinen auffallend niedrigen Ruhepuls haben.
Daraus folgt, dass der Ruhepuls allein nichts über die eigentliche Leistungsfähigkeit aussagt, sondern vielmehr als Parameter der Ökonomie des Herz-Kreislauf-Systems Zeichen eines guten Trainingszustandes, mit guter Grundlagenausdauer, ist.
Zwar haben gut ausdauertrainierte Athleten in der Regel einen niedrigen Ruhepuls und zeigen nach Auslastung eine gute Erholungsfähigkeit mit rascher Abnahme der Herzfrequenz, jedoch ist der Sportler mit dem niedrigsten Ruhepuls oder dem raschesten Rückgang des Erholungspulses nicht automatisch der leistungsfähigste.

Abschließend noch ein Hinweis:
Ein Sportherz bildet sich nach Beenden des regelmäßigen Trainings relativ rasch wieder zurück. (Genauso wie sich ein hypertrophierter Skelettmuskel ohne regelmäßigen Trainingsreiz, sprich Krafttraining, wieder zurückbildet.)
Das bedeutet, dass man durch eine längere (z.B. verletzungsbedingte) Unterbrechung seines regelmäßigen Ausdauertrainings um die Früchte langer, intensiver Trainingsarbeit gebracht werden kann.
Das heißt weiter, dass man nicht von einem früheren Hochleistungstraining "zehren" kann, auch nicht aus präventivmedizinischer Sicht.
Das heißt andererseits aber auch, dass kein Ausdauersportler Angst vor einem "bleibenden Schaden" nach Beenden der Karriere zu haben braucht.
Die Zeiten, als das Sportherz noch von manchen Ärzten als etwas Krankhaftes angesehen wurde ("Großes Herz ist krankes Herz") sind Gott sei Dank vorbei!


Das Wichtigste
  • Das Sportherz ist ein gesundes, vergrößertes Herz als Ergebnis einer sinnvollen Anpassung an eine vermehrte Dauerbelastung bei regelmäßigem Ausdauertraining.
  • Hochleistungs-Ausdauersportler haben oft das doppelte Herzvolumen als das von Normalpersonen.
  • Die Ruhe-Herzfrequenz kann bei Spitzen-Ausdauerathleten bis unter 30 Schläge pro Minute sinken.
  • Das Sportherz hat aufgrund seines vergrößerten Herzvolumens eine größere Schlagvolumen-Reserve ("Hubreserve"), wodurch es ein größeres Herzminutenvolumen erreichen kann (HMV = SV x HF)
  • Je größer das HMV, desto mehr Blut und damit auch mehr Sauerstoff gelangt zur Arbeitsmuskulatur (VO2).
  • Ein Sportherz bildet sich nach Beenden des regelmäßigen Ausdauertrainings relativ rasch wieder zurück.



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