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Bodybuilding Wettkampf Erfahrungsbericht (Fraue-Fitness-Figur)
Bevor ich selbst zum ersten Mal an den Start gegangen bin, habe ich meinen damaligen Freund betreut. Während seiner Vorbereitung hat es mich dann auch in den Fingern gejuckt und ich wollte selbst einmal auf der Bühne stehen. Also habe ich 5 Monate vor dem Wettkampftermin mit der Vorbereitung angefangen.
Das Empfinden in der Vorbereitung
Eigentlich war es gar nicht so schlimm, wie mir immer alle erzählten. Es ging mir psychisch wirklich erstaunlich gut. Mein ganzes Umfeld hat sich gewundert, wie gut ich immer gelaunt war. Körperlich fühlte ich mich öfter mal ziemlich ausgelaugt und kaputt, was aber daran lag, dass ich viel Cardio machen musste, in meinen Trainingseinheiten wirklich bis an die Grenzen ging, wenig Kohlenhydrate aß und sieben Mal die Woche im Studio unterwegs war. Habe nur ständig gefroren, was aber auch vollkommen logisch ist, denn mit sinkendem Körperfettanteil und dünnerer Haut friert man schneller und durch die wenigen Kohlenhydrate war mein Stoffwechsel bestimmt auch nicht gerade intakt.
Gelernt habe ich während der Zeit, dass man nicht so viel über alles nachdenken sollte, sondern einfach handeln und sich auf sein Ziel konzentrieren. Da ich immer viel Fleisch essen durfte und auch Süßstoff auf meinem Plan stand, fiel es mir auch nicht sonderlich schwer auf Süßigkeiten und so weiter zu verzichten, denn wenn man bis zu einem Kilo Fleisch am Tag essen darf, ist man eigentlich nie hungrig und die Gelüste ließen sich mit Cola Light und Früchtetee ganz gut stillen. Außerdem fing ich einfach an meinen Bekannten das zu essen zu geben, was ich gerade essen wollte, frei nach dem Moto: „Kannst du das bitte mal für mich essen?“ Man glaubt es kaum, aber das hat mich wirklich befriedigt.
Das erste Mal stand ich bei einem kleinen Studiowettkampf auf der Bühne. Es sollte sozusagen meine „Generalprobe“ werden.
Der Bodybuilding Wettkampf
Hier erzähle ich euch aber nur von meinem eigentlichen Wettkampf (bei der IFBB), weil der natürlich viel interessanter war:
Mein erster Gedanke, als er Wecker klingelte, war: „Yeah, endlich!!!“ und schon stand ich vor dem Spiegel. Hatte in der letzten Nacht noch mal 3kg verloren und ein richtig geiles Sixpack stach mir entgegen, als ich mein Schlaf-T-Shirt hob. Einziger Nachteil: Ich fror mal wieder wie ein Schneider! Aber dafür sah ich super aus! Die Nacht vorher hatte ich erstaunlich gut geschlafen. Was wohl auch daran lag, dass ich mich während meiner Vorbereitung nicht daheim eingeschlossen habe, sondern trotzdem das ein oder andere Mal lange unterwegs war.

Bild: Vergleich vorher-nachher in nur wenigen Monaten
Unten in der Küche hatte meine Mama mir schon eine Ananas klein geschnitten, weil ich den Tag davor ständig davon erzählt hatte, dass ich starke Gelüste auf Ananas hatte. Sie hatte mir auch schon Handtücher und Küchenrolle gerichtet und mir Zitronenscheiben geschnitten. Mein Vater erschrak, als er mich sah. Er meinte, ich wäre „erbärmlich dünn“ und sähe krank aus. Das ließ mich dann etwas stocken, denn ich wollte ja nicht dünn und ausgezehrt aussehen, sondern trocken und muskulös. Jetzt war es aber sowieso zu spät, um noch etwas zu ändern, also habe ich einen extrastarken Espresso getrunken und dann sind wir gestartet.
Direkt vor dem Bodybuilding Wettkampf - Vor Ort
Natürlich war ich viel zu früh dort. Im Foyer der Halle, in der der Wettkampf stattfinden würde, traf ich eine andere Mitstreiterin und einen männlichen Athleten. Zusammen harrten wir der Dinge, die da kamen. Während wir da warteten, kam Carmen Spindler-Weiler an uns vorbei und begrüßte uns. Mein erster Gedanke war: „Na super! Ich kann einpacken!“ „Nichts da! Jetzt bist du bis hierher gekommen und jetzt ziehst dus auch durch!“ meinte meine Betreuerin. Sie hatte ja Recht… Als dann der Rest von uns auch eingetroffen war, gings ans Einschreiben. Wir Frauen mussten unsere Schuhe zeigen und den Bikini, denn Voraussetzung für den Wettkampf war, dass der Bikini mindestens 50 % des Hinterns bedeckt und die Schuhe durften auch nicht zu hoch sein (das steht alles in den Teilnahmebedingungen der IFBB). Gewogen wurde ich nicht, weil ich in der Fitness-Figur-Klasse startete. Alle anderen Klassen mussten auf die Waage. Eine junge Frau gab mir die Startnummer 17 und schickte mich in den Umkleidebereich.
Bräunungscreme und der Aufwärmraum
Dort hatte meine Betreuerin schon alles für mich bereit gelegt. Ich musste mich nur noch ausziehen, hinstellen und mit Bräunungscreme einstreichen lassen. Das war wirklich ein Service. Meine immer trockene Haut nahm die Farbe nicht so gut an, daher war ich sehr fleckig, was meine Betreuerin allerdings sehr gut in den Griff bekam. Dann habe ich mich supernuttig geschminkt. Mit knalligem lila Lidschatten und richtig grellrotem Lippenstift. Und schließlich hieß es, wir sollen uns bereit halten. Das Herz rutschte mir in die Knie. Langsam und vorsichtig zog ich meine blauen 10cm High Heels an. Meine Betreuerin hatte meinen Einteiler und meine Wasserflasche in der Hand. Und los gings in den Aufwärmraum. Hier hinten war es sehr kalt! Es lagen ein paar Hanteln herum und wir konnten ein wenig pumpen.
Auf die Bühne und die Aufregung
Dann noch ein letzter Blick in den Spiegel und los gings hinter die Bühne. Ich hatte tierischen Harndrang, obwohl ich gerade mal 200ml Flüssigkeit zu mir genommen hatte, mein Herz schlug, als wolle es jeden Moment meinen (mittlerweile sehr deutlich sichtbaren) Brustkorb sprengen, meine Beine zitterten und das Adrenalin jagte durch meine Adern. Der Moderator kündigte die Frauen-Fitness-Figur-Klasse an. Ich atmete noch einmal tief durch, strich mir durch die langen, braunen, offenen Haare, setzte mein charmantestes Lächeln auf, dachte an meine Freunde, die nur wegen mir dort unten saßen und setzte, erstaunlich selbstbewusst, einen Fuß vor den anderen nach draußen aufs Parkett, lächelte, drehte mich dem Publikum zu und ging in die Grundstellung. „Mach den Rücken auf!“ sagte die leise Stimme in meinem Kopf „Und lächle, Baby, lächle!“ Vom Publikum sah ich zum Glück nichts, denn die Scheinwerfer waren zu grell und der Rest des Raumes zu dunkel. Meine Beine zitterten, als wollten sie jeden Moment unter mir brechen. Der Moderator las alle Namen vor. Die Genannte ging einen Schritt nach vorne und zeigte ihre Lieblingspose. Mein Name fiel. Ich ging einen Schritt vor, ging in den Doppelbizeps und zwinkerte der Jury zu. Lautes Klatschen aus dem Publikum. „Die klatschen nur für dich!“ jubelte die Stimme in meinem Kopf und ich ging zurück in die Grundstellung. Dann drehten wir uns um 90° nach rechts, dann die Grundstellung von hinten, Seitliche Grundstellung von rechts und wieder Grundstellung von vorne, dann mussten wir die Positionen wechseln, noch einmal alle vier Grundposen zeigen und schließlich verließen wir die Bühne.
Ich atmete zuerst mal tief durch und entspannte meine Mundmuskulatur. Meine Betreuerin reichte mir meine Wasserflasche. Nur einen kleinen Schluck durfte ich trinken. „Du sahst toll aus!“ sagte sie. Ich strahlte. Wir gingen zurück in den Aufwärmbereich. Mittlerweile fror ich nicht mehr, weil ich so aufgeregt war. Hier tauschte ich meinen schwarzen Bikini gegen meinen Einteiler. Meine Betreuerin musste mir beim Anziehen helfen, weil ich so nervös war und schon wieder am ganzen Körper zitterte. Als es diesmal auf die Bühne ging, war ich schon ein wenig selbstbewusster. Danach hatte ich erst mal Pause und war total überdreht. Ich hatte einen richtig heftigen Höhenflug.
„Du bist weiter… Iss bitte jetzt etwas Süßes“, meinte Tamer, der mich vorbereitet hatte. Da fiel mir ein, dass ich vor Aufregung den ganzen Tag noch gar nichts gegessen hatte. Also nichts wie nach hinten in den Umkleidebereich und was Süßes gesucht. Ich biss genüsslich in einen Allstars-Cocos-Ananas-Riegel und war sehr enttäuscht. Klar, der Riegel war superlecker, aber ich hatte mir das Gefühl nach 5 Monaten mal wieder was Süßes zu essen etwas orgasmusartiger vorgestellt. Dann hatte ich erst mal 2 Stunden Pause. Also zog ich Jeans und Pulli über und ging nach draußen, wo meine Freunde schon auf mich warteten.
Das Finale
Dann gings ans Finale. Ich musste noch mal eingeschmiert werden und die Schminke noch mal nachziehen. Schließlich sollten alle Athleten hinter die Bühne zum Posedown. Dort standen wir dann zuerst mal eine viertel Stunde in der Gegend herum. Es war ein riesiges Gelächter, als wir da alle zusammen hinter der Bühne standen. Die Stimmung dort war unbeschreiblich. Endlich ging der Vorhang hoch. Das Posedown war ein heftiges Getümmel, aber hier konnte ich wenigstens mal meine Lieblingsposen (wie den Doppelbizeps von hinten und die seitliche Brustpose) zeigen. Ich wunderte mich, wie rücksichtsvoll alle miteinander umgingen. Ich hatte immer Horrorgeschichten davon gehört, wie sich Athleten beim Posedown auf der Bühne aufführten, aber ich war wirklich positiv überrascht. Okay, vielleicht hatte ich auch den Liebe-Mädchen-Bonus… vielleicht hatten die anderen aber auch Angst, dass ich mit meinen High Heels austreten könnte, falls mich jemand anrempelt. Schließlich mussten wir Mädels noch ein letztes Mal auf die Bühne. Diesmal in einem farbigen Bikini. Meine Beine zitterten nicht mehr und mein Lächeln wirkte viel selbstbewusster. Wahrscheinlich, weil ich nun sicher wusste, dass dort unten Leute saßen, die auf mich zählten und wirklich nur wegen mir hier waren. Vielleicht auch, weil ich wusste, dass die Prominenz dort unten saß oder vielleicht war auch einfach ein bisschen Routine rein gekommen.
Fazit
Es war insgesamt einfach ein supertoller Tag! Allein das Gefühl dort oben zu stehen und alle Blicke auf sich gerichtet zu wissen ist atemberaubend, auch wenn die Aufregung vorher mich fast wahnsinnig gemacht hat! Die Vorbereitung und der Wettkampf haben meinem Selbstbewusstsein sehr genützt. Klar, die Erfahrungen haben aus mir keine Draufgängerin gemacht, aber mein Ego ist schon ein bisschen gewachsen. Und es ist einfach eine wunderbare Erfahrung seinen Körper mal an die Grenzen gebracht zu haben, zu spüren, wie er reagiert und was er macht. Man lernt sich selbst einfach besser kennen, es ist unbeschreiblich.
Was ich auf jeden Fall noch loswerden wollte: DAS WICHTIGSTE BEIM WETTKAMPF SIND DIE BETREUER! Ich wäre ohne meine Betreuerin aufgeschmissen gewesen. Sie war die ganze Zeit bei mir, hat mir den Rücken gestärkt, hat mir geholfen, stand da, wenn ich sie brauchte, stand die ganze Zeit hinter mir und hatte alle Hände voll zu tun, von der Fahrt zum Veranstaltungsort bis zum abendlichen Bräunungscreme-Runterschrubben. Ich war selbst schon als Betreuerin bei einem Wettkampf dabei, kenne darum beide Seiten und weiß genau, von was ich spreche. Also sucht euch unbedingt jemanden, dem ihr vertraut und auf den ihr zählen könnt, wenn ihr vorhabt einen Wettkampf zu machen! (Danke Mama, du bist die Beste ♥!)
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